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Farbsinnuntersuchung mit dem Anomaloskop
Anomaloskop

Das normale Auge kann ca. zwei Millionen Farbschattierungen unterscheiden. Im Inneren des Auges - in der Netzhaut - gibt es spezielle Zellen, die „Zapfen“, die wie ein Farbfilm die Seheindrücke aufnehmen können. Um die vielen Farben zu unterscheiden, sind drei verschiedene Zapfen notwendig: solche für Rot-, Grün- und Blausehen. Die Zapfen sind nur bei hellem Licht aktiv, deshalb sehen wir in der Dämmerung nur grau. Denn hell und dunkel sehen wir mit einer anderen Art von Rezeptor, den „Stäbchen“.

Im 19. Jahrhundert konnte der Physiker Hermann von Helmholtz erstmals erklären, warum manche Menschen Farben ganz anders sehen: Er entdeckte, dass bei ihnen die Rezeptoren gegenüber bestimmten Farben weniger empfindlich sind. So unterscheiden wir Schwächen im Rot-Grün-Bereich und im Blau-Gelb-Bereich. Manchmal besteht nicht nur eine Schwäche, sondern die völlige Unmöglichkeit, Farben wie Grün oder Rot zu sehen.

Diese Störungen sind meist angeboren. Heute kennt man den Vererbungsweg: Männer vererben die Farbsinnstörung an ihre Töchter. Diese sind Überträgerinnen, aber sind nicht selbst erkrankt. Sie geben aber die Anomalie wieder an ihre Söhne weiter. Aus diesem Grund sind Männer wesentlich häufiger betroffen als Frauen. Am häufigsten ist dabei die Rot-Grün-Schwäche. Etwa jeder zwölfte Junge trägt die Anlage in sich. Jede Zwischenstufe von kaum meßbarer Schwäche bis zu völliger Farbenblindheit ist dabei möglich.

Die Farbstörungen werden nach der Farbe unterschieden. 

Rotblinde (Protanope) sehen Rot ganz dunkel, Grün aber sehr hell. Rotschwache (Protanomale) benötigen viel mehr Rotanteil, um beispielsweise Braun gleich zu sehen wie ein Farbtüchtiger. Die Ausprägung der Schwäche wird im Farbmischgerät (Anomaloskop; siehe Photo oben) mit dem „Anomaliequotienten“ zwischen 0,1 und 0,5 festgelegt.

Bei Grünblindheit (Deuteranopie) und Grünschwäche (Deuteranomalie) bestehen entsprechende Schwächen in der Grünwahrnehmung.

Ganz selten kommen auch Blau-Gelb-Störungen oder ein völliger Ausfall der Farbwahrnehmung vor. Erworbene Farbsinnstörungen finden wir bei Netzhaut- und Sehnervenerkrankungen. Durch den Grauen Star geht der blaue Anteil des Lichts verloren. Die Welt bekommt dadurch einen Gelbstich.

Ein Farbenblinder kann bei guter Beleuchtung relativ sicher Farben nach ihrem Helligkeitswert unterscheiden. Nur in der Dämmerung wird er farbunsicher.

Diese Unterscheidung von Helligkeiten macht man sich bei der Prüfung des Farbsinnes zunutze, indem man ein Bild so zusammensetzt, dass nach der Helligkeit der Punkte zum Beispiel eine 5 erscheint, nach der Farbigkeit aber eine 12. Dies lässt eine grobe Unterscheidung der unterschiedlichen Farbsehschwächen zu. Genauer wird der Farbsinn mit dem oben erwähnten Anomaloskop geprüft, mit dem stufenlos die Farbmischung eingestellt werden kann.

Farbsinnstörungen können nicht behandelt werden. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, ob man eine Störung hat, damit man sich darauf einstellen kann. Bei der Berufsfindung sollten vorliegende Farbsehschwächen berücksichtigt werden, da verschiedene Berufe wie u.a. Taxi-, Bus- oder Bahnfahrer bei bestimmten Farbsehschwächen nicht ausgeübt werden dürfen.

Dr. Patrick Vivell hat einen Buchbeitrag über die Testung des Sehvermögens in der Verkehrsmedizin geschrieben. Nähere Informationen hierzu finden Sie hier.

Die Häufigkeit von Farbsinnstörungen
Farbfehlsichtigkeit % Häufigkeit (Männer) % Häufigkeit (Frauen)
Rotsehschwäche
1 % 0,3 %
Rotblindheit
1 % 0,1 %
Grünsehschwäche
5 % 0,35 %
Grünblindheit
1 % 0,01 %

Basierend auf: "Augenblick Mal! 1/99"